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auf den Literaturseiten der 3B 2015/16
Angst
von Marlene Malli
Nach einer
kurzen Fahrt tauchten vor uns schon die Umrisse des Kletterparks mit seinen
riesigen Felsen auf. Als wir ihn erreicht hatten, sah ich das erste Mal den
berüchtigten Überhang, den wir heute erklettern wollten. Ein flaues Gefühl
breitete sich in meinem Magen aus und ich fragte mich, ob ich wohl mutig genug
sein würde. Wir stellten unsere Fahrräder ab und gingen an die Kasse. Die
freundliche Dame dort erklärte uns, dass wir die Kletterschuhe, Seile, Gurte
und Karabiner gleich hinter dem Eingang bekommen würden. Als wir den
Kletterpark betraten, empfing uns ein Mitarbeiter: „Hallo Jungs, ich helfe euch
mit der Ausrüstung. Was wollt ihr denn klettern?“ Klaus antwortete lässig: „Wir
machen heute den Überhang!“ Überrascht schaute uns der Mitarbeiter an: „Seid
ihr dafür nicht noch ein bisserl zu jung? Traut ihr euch das wirklich zu? Habt
ihr so etwas schon mal gemacht?“ „Sicher, no problem“, erwiderte Klaus cool,
obwohl das gar nicht stimmte. Wir erhielten die notwendigen Utensilien und Jo,
der Mitarbeiter, brachte uns zum Überhang. Als wir davor standen, lief mir ein
kalter Schauer über den Rücken, aber ich traute mich nicht meine Angst
zuzugeben. Der Felsen war riesig, sicher mehr als 50 Meter hoch und der Überhang
schien unüberwindbar. Wir waren dort ganz allein. Mein Puls raste und meine
Hände waren schweißnass. „Du zuerst!“, meinte Klaus und Jo schnallte mir den
Gurt um und erklärte mir, wie ich klettern sollte. Ich konnte gar nicht mehr
zuhören, mein Kopf war leer und ich war vor Angst wie gelähmt. Klaus musste
mich sichern. Ich setzte den Helm auf und ging langsam auf die Kletterwand zu.
Mit Magnesium rieb ich meine schweißnassen Hände ein und begann zu klettern. Ich
hangelte mich von einem Griff zum nächsten. Mein Herz pochte wie wild, doch ich
kletterte vorsichtig und behutsam weiter und weiter, immer höher hinauf, bis
ich den Überhang erreicht hatte. Ich hörte Klaus rufen: „Cool, Frank, du hast
es gleich geschafft! Sei kein Looser!“ Ich griff nach der ersten Halterung im
Überhang, nahm all meinen Mut zusammen, klammerte mich mit meiner ganzen Kraft
fest und lies die Füße los. In diesem Moment blickte ich nach unten. Klaus sah
aus wie ein Spielzeugmännchen. Mir fiel ein, dass er viel kleiner und leichter
war als ich. Wie sollte er mich halten können? Mir rutschte das Herz in die
Hose, meine Nackenhaare sträubten sich, mir wurde schwindlig und ich verlor den
Halt. Das letzte, was ich hörte, waren Schreie von unten und das letzte, was
ich spürte, war ein dumpfer Schlag gegen den Kopf.
Der Überhang
Klaus und
Frank wollten im Kletterpark den großen Überhang durchklettern. Ihr gemeinsamer
Freund Peter konnte leider nicht dabei sein. Er war beim Inlineskaten gestürzt
und hatte sich am Knie verletzt.
Frank
begann und Klaus sicherte ihn an der Leine. Frank hatte ein mulmiges Gefühl,
weil er schwerer war als Klaus. „Kann Klaus mich halten, wenn ich abrutsche?“, fragte
er sich still. Vorsichtig und behutsam kletterte er hoch. Er achtete darauf,
seine Füße satt auf die Kletterknaufe zu setzen und überlegte sorgfältig,
welchen Griff er jeweils als nächstes auswählen sollte. Frank spürte, wie ihm
vor Anstrengung warm wurde. Die Muskeln in seinen Armen und Beinen wurden stark
beansprucht und Schweiß trat ihm auf die Stirn. Konzentriert kletterte Frank
weiter.
Als er am
Überhang angekommen war, nahm er sein aufgeregtes Herzklopfen war. „Ach, könnte
Peter heute hier sein und Klaus unterstützen, mich zu sichern!“, ging es ihm
durch den Kopf. Der Schweiß lief ihm nun bereits die Schläfen hinab. Frank
griff mit der linken Hand nach dem nächsten geeigneten Kletterknauf und setzte
anschließend den linken Fuß nach. Als er sicheren Halt hatte, löste er seine
rechte Hand vom Griff. Frank wischte seine Hand am T-Shirt trocken und fasste
einen gelben Kletterknauf. Der Überhang verlangte ihm viel Kraft ab. Frank
stöhnte vor Anstrengung und spürte, wie die Muskeln in Armen, Beinen und auch
im Rumpf zu brennen begannen. Zudem wurden seine Hände immer feuchter. „Nimm
den blauen Knauf!“, rief sein Freund ihm zu, „du hast es bald geschafft!“ Frank
spannte seine Bauchmuskulatur kräftig an, löste seine linke Hand vom
Klettergriff und wischte sie rasch am T-Shirt trocken. Als er nun nach dem
blauen Knauf griff, bekam er ihn nicht gut zu fassen. Seine Finger rutschten
ab. Hektisch griff Frank erneut nach dem blauen Griff, aber es war zu spät. Die
Finger seiner rechten Hand konnten das Gewicht nicht länger halten und
rutschten ebenfalls ab. „Nein!“, schrie Frank in Erwartung des Absturzes und
kniff die Augen zu. Dann realisierte Frank, dass er zwar in der Luft baumelte,
aber keineswegs abstürzte. Er blickte nach unten. Dort standen sein Freund
Klaus und bei ihm – Peter. Vier Hände hatten die Sicherungsleine fest im Griff.
„Peter!“, rief Frank erleichtert. „Hast du etwa gedacht, ich lasse mir wegen
einer Knieverletzung entgehen, wie du am großen Überhang scheiterst…?“, meinte
Peter lachend.